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24. Januar 1986

Allgemeines zur Brückenwache

Eine Brückenwache bestand aus 6 Matrosen, einem Maat (Unteroffizier) und dem Fahr-WO (Wachhabender Offizier der das Schiff fährt). Der Maat sitzt im Steuerstand und organisiert die Wache. Die 6 Matrosen wurden wie folgt eingesetzt: Einer war am Ruder, einer am Maschinentelegrafen und einer war der Läufer (Melder). Diese drei Matrosen waren im Steuerstand unter Deck. Von den anderen drei Matrosen war einer im Backbordausguck, einer im Steuerbordausguck und einer als Posten auf der Schanz (Achterdeck). Diese drei Matrosen waren draußen, auch bei Regen, Schneefall und Sturm!!!



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Auslaufen aus New York. Der Matrose mit dem Befehlsübermittler (BÜ) auf dem Kopf, rechts unten im Bild, war der "Posten Schanz".



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Daher wurde normalerweise stündlich gewechselt, so dass jeder eine Stunde draußen und anschließend wieder drinnen war. Im Backbord- und Steuerbordausguck nutzten wir die Zielfernrohre der beiden vorderen 40 mm Bofors-Doppellafetten. Normalerweise dienen die Fernrohre der Ausrichtung der Lafetten auf ein Ziel. Während der Wache waren die Fernrohre aber nicht mit den Lafetten gekoppelt, so dass wir die sehr guten Fernrohre für den Ausguck verwenden konnten.

Die Matrosen im Ausguck und auf der Schanz hatten u.a. die wichtige Aufgabe umgehend Meldung zu machen, wenn ein Kamerad über Bord ging. Die Aufmerksamkeit der Wache wurde in unregelmäßigen Abständen von unseren Vorgesetzten getestet, indem eine Puppe über Bord geworfen wurde. Dann mussten wir das "Mann-über-Bord-Manöver" fahren und die Puppe wieder an Bord nehmen.



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Der Backbordausguck 



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Brückenwache

Die Schiffssicherungsausbildung in der Ostsee vor Neustadt dauerte bis Mittag, dann Marsch ins Kattegat. Wir fuhren in einem Verband mit mehreren Schiffen der Bundesmarine Richtung Atlantik. Gegen 14:00 Uhr passierten wir Skagen. Ich hatte die 3. Wache, von 15:40 bis 17:40 Uhr und von 23:40 bis 3:40 Uhr und war eingeteilt zur Brückenwache.

Heute war alles Scheiße!!! Wellenhöhe 2,5 m, es ist die alte Dünung vom Vortag. Sonst sternenklarer Himmel und Vollmond. Das Schiff stampfte und rollte wie verrückt und dabei war noch nicht mal schwerer Seegang, noch nicht mal Schaumkronen. In meiner Wache waren nur Penner und Faulenzer, die behaupteten, dass sie seekrank wären. Einer stand die ganze Zeit auf der Schanz, die anderen blieben lieber in den beiden Ausgucks. Ich stand vier Stunden ununterbrochen am Ruder, mir war kotzübel. Dauernd die drehende Kompassscheibe, rechts im Bullauge Wasser, sekundenspäter Himmel, Wasser, Himmel, vier Stunden lang. Der Läufer brachte mir einen Putzeimer, den ich neben den Steuerstand geklemmte und reinkotzte, wenn es sein musste. Nach vier langen Stunden lag ich endlich in meiner Koje.

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