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26. September 1985

Mein erster Tag auf der DEUTSCHLAND

Am Morgen nach der Abschlussfeier der Grundausbildung in der Marinewaffenschule Lehrgruppe B in Kappeln an der Schlei stiegen wir mit einem Seesack als Gepäck in einen Bus und fuhren nach Kiel zum Arsenal, dort habe ich die DEUTSCHLAND zum ersten Mal gesehen: Groß, grau, schwer, dreckig und verbeult lag der Kahn am Kai. Einige Maschinen lärmten, überall lag Material. Über die Stelling gingen wir dann zum WO (Wachoffizier), der kontrollierte die Marschbefehle und Dienstausweise der neuen Matrosen. "Zum Waffendeck" sagte er kurz und ein Hauptgefreiter, ein riesiger Kerl, nahm uns in Empfang und führte uns durch das Schiff zum Waffendeck.

An das Doppelschott der Kombüse kann ich mich noch gut erinnern. Als ich die ersten Meter auf der DEUTSCHLAND gegangen bin, habe ich mir heftig das Schienenbein gestoßen. Gegenüber der Essenausgabe lag die Unteroffiziermesse. Weiter Richtung Bug noch mal ein Doppelschott, dann kamen die Unterkünfte der Bootsleute und die Bootsmannsmesse. Davor lag an Steuerbordseite unser Waschraum. Vor der Waschraumtür ging es durch ein Luk über eine steile Treppe hinunter ins Waffendeck. Als wir runter gingen, mussten wir laut "In’s Deck" sagen. Danach brauchten wir es nur sagen, wenn wir in ein "fremdes" Deck gingen, also zu den Heizern oder den Seeziegen.

Neben dem Luk zum Waffendeck stand der Eiswürfelbereiter, aus dem die Stewards der Offiziersmesse Eiswürfel holten. Nach jedem Gefriergang setzte sich die Maschine in Gang und drückte die neuen Eiswürfel aus den Formen, das lärmte bis ins Waffendeck. An Backbordseite waren Unteroffiziere (Uffze) untergebracht. Aus der geschlossenen Tür dröhnte laute Musik, die Songs der Rocky-Horror-Picture-Show. Einige Uffze waren totale Fans dieses Musicals und drehten die Musik richtig laut auf. Ein paar Zeilen des Songs erinnern mich noch heute sofort an damals: "JUST A STEP TO THE LEFT…". Weiter zum Bug lag (auch unter einem Luk) das Seemannsdeck mit dem seemännischen Personal, den sogenannten Seeziegen (den 11ern). Davor befanden sich die Toiletten, die Papierlast, die Wäscherei und ganz vorn im Bug die Kettenkästen der Buganker. Diesen Weg bin ich nun das erste Mal gegangen und dachte nur eins: "Das halte ich nicht durch, ich bin ein Vollidiot, dass ich mich für die DEUTSCHLAND freiwillig gemeldet habe".



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Das Waffendeck, Wohnraum für 33 Mann.



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Unten im Waffendeck angekommen sah ich zwei Tische, die heißen hier Back, mit davor auf dem Boden angeschraubten Stühlen. Über den Tischen hingen schicke Lampen im Marine-Design der 60er Jahre. Links der Kühlschrank, darauf das Radio mit Cassettenanlage und zahlreichen Musikkassetten. Ich dachte immer wieder: „Das halte ich nicht durch“ und ich kam mir vor wie eine Maus in einem laufenden, lärmenden Staubsauger. Rechts waren zwei Reihen Kojen, jeweils drei übereinander. Hinter dem Kühlschrank, relativ abgeteilt mit Vorhängen, drei Kojen, welche sich die Altgefahrenen unter den Nagel gerissen hatten, einer davon war der hünenhafte Hauptgefreite, der uns hier runter geführt hat. An der linken Seite nur eine Reihe Kojen, auch nicht schlecht. Mit zwanzig neuen Leuten incl. Seesack war das Waffendeck bereits voll, obwohl das Waffendeck für 33 Mann konzipiert und auch belegt war!!! Distanz zu anderen Menschen zu halten, war nicht möglich. Wer in die Koje ging, musste sich vor ca. zehn anderen Kameraden aus- bzw. umziehen. Zuerst lag ich auf der rechten Seite in der Kojenreihe an der Steuerbordwand, hinterer Gang, mittlere Koje. Über mir eine Koje, unter mir eine Koje und mein Schrank ziemlich weit weg.



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Die mittlere Koje wurde mir zugeteilt. Die schräge Fläche im Hintergrund links unten war die Außenwand des Schiffs. Das Waffendeck befand sich im Bug des Schiffs.



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An den Tischen saßen die, die schon länger dabei waren. Wir stellten uns vor und hörten wie das Kommando DEUTSCHLAND denn so ist. Man teilte mir einen kleinen Blechspind zu, der sehr weit von meiner Koje weg war. Nachdem ich meine Sachen eingeräumt hatte, bin ich durchs Schiff zum Ausgang gegangen. Aus der Uffz-Kajüte kam ohrenbetäubende Rocky-Horror-Picture-Musik: "JANET, JANET, JAAAA-NET……". An der Stelling erkundigte ich mich nach Ausgang. "Das heißt Landgang" verbesserte mich der WO, "gegen 17 Uhr dürfen Sie in Zivil das Schiff verlassen". Noch vor dem Abendessen zog ich die Laufschuhe an, ging zur Stelling und meldete mich ab.

Vom Schiff runter bis an das Tor der Werft bin ich schon gelaufen und dachte nur daran, wie ich von dem Kahn wieder runter kommen konnte. Am Tor zeigte ich meinen Dienstausweis und war dann schon auf der Straße. Ich lief an einer Mauer entlang und dachte nach, wie ich der ganzen Scheiße entkommen konnte. Ich lief über die Brücke Richtung Oslokai, weiter das Hindenburgufer entlang zur Gorch Fock und lief und lief und lief.....

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